Dhyana, das Sanskritwort für Meditation

Dhyana ist bekannt als die siebte Stufe im Raja-Yoga des Patanjali.

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Patanjali wird in Indien als großer Weiser und Eingeweihter verehrt.

Dhyana, devanagari: ध्यान, IAST: dhyāna, ITRANS: dhyaana, ist bekannt als die siebte Stufe in Patanjalis (zw. 200 v. Chr. und 200 n.Chr.) Raja-Yoga und bedeutet Meditation, Gedanke, Reflektion, sowie tiefe und abstrakte religiöse Meditation. dhyāna ist eine lautliche Ableitung von dem Wort dhī,  was als Verb sowohl empfangen, als auch denken und reflektieren bedeutet. Als Hauptwort steht dhī für den Gedanken und kommt in dieser Form bereits in der ältesten Schrift Indiens, dem Rigveda vor.

 

 

Das Yoga-Sutra des Patanjali

तत्र प्रत्ययैकतानता ध्यानम्

tatra pratyaya-ikatānatā dhyānam

Dort, wo das Bewusstsein einheitlich strömt, ist dhyānam.” (Yoga Sutra, Vers 3.2)

Pratyaya ist im sogenannten sāṁkhya-yoga – und Patanjali stand diesem philosopischen System nahe – ein Synonym für buddhi. Unter buddhi wird in dieser Epoche die geistig-mentale Verständniskraft des Menschen verstanden. Das Wotr tāna geht auf die indogermanische Verb-Wurzel tan zurück, welche „stretch“, also ausdehnen bedeutet. Aus diesem Grund kann tāna so unterschiedliche Bedeutungen wie „Faden“ und „Ton“ besitzen, ausgehend von dem inneren Bild des Ausdehnens. Somit könnte man den Vers von Patanjali mit dem erweiterten Bild wiedergeben: Wenn das Bewusstsein des Meditierenden ausschließlich ausgefüllt ist von dem Verständnis zu dem Meditationsinhalt, dann nennt man diesen Zustand dhyāna.

Die Erläuterung von Helmtrud Wieland

In dem Buch Das Spektrum des Yoga erläutert Helmtrud Wieland in knapper Form die Stufen dhāraṅa, dhyāna und samādhi (6., 7. und 8.Stufe des Raja-Yoga): „Nach dem Kommentar des Vyåsa im Yogabhå‚ya war es üblich, “Konzentration auf Gegenstände” zu üben. Mit dem Ziel, die “5 Formen” – R¨pa – eines Dinges zu erfassen. 

Sth¨la-R¨pa ist die äußere Erscheinungsform.

Svå– R¨pa ist die innere Wesensform. Der allgemeine Grundcharakter des betrachteten Gegenstandes ist zu erfassen, den er mit anderen Dingen gemeinsam hat.

S¨k‚ma- R¨pa = “Feinform”. Der Gegenstand ist nun in seiner TanmåtraGestalt (kosmisch-feinstoffliche Ursache) zu sehen.

Anvaya- R¨pa ist eine Konzentrationsphase, bei der die Tätigkeit der Trigu~a (feinstoffliche Schwingungsrhythmen) beobachtet wird.

Arthavattva: Der Meditierende untersucht die Welt nicht mehr auf ihre Mechanik in, sondern er will ihre Zielrichtung erkennen, ihm wird klar, welche Aufgabe jedes Ding im Rahmen des Ganzen erfüllt.

Die drei letztgenannten Stufen der Konzentration auf die “Formen” sind nur zu erreichen, wenn sich der Übende so in seinen Konzentrationsgegenstand vertieft, dass er sich vorübergehend als dieser empfindet. Nur dann kennt er ihn so wie sich selbst.

Es wird angeraten, die gegenständliche Meditation bis zu diesem Stadium voranzutreiben und erst dann auf Subtiles überzugehen. Wird dann die Aufmerksamkeit beispielsweise auf das eigene Kopf- oder Herz-Zentrum gerichtet – erklärt Vivekananda – , handelt es sich um das Stadium dhāraṅa, wenn alle Empfindungen über dieses Zentrum empfangen werden, und um dhyāna, wenn der Zustand über längere Zeit beibehalten werden kann. Wenn jegliche Form – auch Gedankenformen – aufgegeben werden können, wenn nur noch der Sinn nachklingt, ist es der Übergang zu samādhi.“

Dhyana im Kundalini Yoga

M. P. Pandit äußert sich in dem Büchlein Kundalini Yoga ebenfalls über den Begriff dhyāna: „dhyāna ist das beständige Verweilen bei dem Objekt, auf das man sich konzentiert hat. Das Bewusstsein ist ausschließlich mit den Gedanken an ein Objekt beschäftigt und zwar ist es ein Objekt mit Form oder ohne Form. Im ersten Fall ist es dhyāna einer Gestalt mit Eigenschaften, im letzteren ist das Selbst das Objekt der Betrachtung, was schließlich zum Bewusstsein des Objektes allein führt.

Aus Dhyana wird Zen

Im Zusammenhang mit dem Buddhismus hat sich der Sanskrit-Begriff dhyāna in das Pali-Wort jhåna gewandelt. Jhåna spielt eine bedeutende Rolle im Buddhismus. So unterscheidet man beispielsweise acht Formen von Meditation (jhāna), vier gegenständliche Formen und vier nicht-gegenständliche Formen. Von jhåna ausgehend besteht ein weiterer etymologischer Kontext zu dem mittel-chinesischen Wort chan, das sich schließlich im japanischen Begriff Zen manifestiert.

Die Handgeste Dhyana Mudra

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Dhyana mudra ist die klassische Handgeste für die Meditation.

Als das sogenannte dhyāna mudrā, charakterisiert das Wort dhyāna die Handgeste der Meditation schlechthin. Der Meditierende legt beide Hände in seinen Schoß, die rechte Hand ruht in der linken Hand, evtl. berühren sich die beiden Daumen auf präzise Weise. Die rechte Körperseite repräsentiert dabei die aktive Seite, der linken Seite wird die passive Eigenschaft zugeordnet. Die Handgeste drückt also ein Zur-Ruhe-Kommen der aktiven Seite des Lebens in der Meditation aus.

Die unabhängige Betrachtung des Meditationsobjektes

Der Begriff dhyāna bezeichnet die Meditation, wie sie aus der klassischen indischen Philosophie hervorgeht und sich im Buddhismus weiter fortgesetzt hat. Nach Patanjali ist es zunächst eine gegenständliche Meditation, welche sich erst im fortgeschrittenen Stadium auf feinere Bereiche wie die cakra erstreckt. Im späteren Kundalini Yoga wurde diese Unterscheidung aufgehoben und man wählte entweder ein konkretes Objekt oder das Geheimnis des Selbst als Meditationsobjekte. Im Buddhismus haben sich die Formen der Meditation und die Wahl der Objekte in vielfachen Verzweigungen in gegenständliche und nicht-gegenständliche Formen weiter entwickelt. Im Yoga nach Patanjali betrachtete man die Meditation als fortgeschrittene Aktivität, der viele vorbereitende Schritte der Reinigung und Beherrschung von Körper und Seelenleben vorausgehen, genau genommen die ersten fünf Stufen des achtgliedrigen Yogapfades.

Der meditative Zustand selbst wird nach der Yoga-Philosophie als zeitlich andauerndes Ausgefülltsein von dem Bewusstsein zu dem Meditationsobjekt beschrieben.

 

Textquellen

Monier Williams Sanscrit English Dictionary, vedanta-yoga.de, Helmtrud Wieland, Das Spektrum des Yoga, Verlag Hinder + Deelmann; Wikipedia Dhyana, Wikipedia Zen, Dhyana Mudra

 

Bildquellen (18-03-31):

cage8.com, yogapedia.com

 

 

 

 

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