Die Grundlagen der indischen Kultur, Sri Aurobindo

Rezension der Aufsätze von Sri Aurobindo über die indische Kultur.

Die Grundlagen der indischen Kultur, Sri AurobindoAuf ganzen 400 Seiten entwirft Sri Aurobindo (1872-1950) ein Plädoyer für die indische Kultur. Ausgehend von niederer Kritik, die von europäischer Seite gegenüber dem Land, der Kultur und der Spiritualität Indiens geäußert wurde, beginnt er eine ausführliche Rechtfertigung. Er bezieht sich dabei auf die wesentlichen Kulturbereiche: Religion und Spiritualität, Indische Kunst, Indische Literatur, Indisches Staatswesen.

In einem Einführungskapitel geht er auf die Streitfrage ein: Ist Indien zivilisiert? Im zweiten Kapitel dann äußert er sich ausführlich zu der Kritik des englischen Literaturkritikers William Archer über Indien, beschreibt ihre niedere, weil von falschen Motiven gesteuerte Art und erklärt, warum er sich dennoch gerade mit einer so schlechten Kritik konfrontieren möchte.

Eine Kultur, die eines schöpferischen Neuanfangs bedarf

Dann folgt in der Reihenfolge des Buches der bereits erwähnte Hauptteil mit Aurobindos Rechtfertigung. In zwei abschließenden Kapiteln erfolgt der Blick in die Zukunft. Aurobindo stellt fest, dass Indien aufgrund der erlebten Invasion durch die europäische Kultur während der Kolonialherrschaft Englands nun einen schöpferischen Neuanfang machen muss. Es muss bestimmte äußere Einflüsse assimilieren und mit der eigenen Weisheit darauf reagieren. Welches Gesicht eine solche “Renaissance” Indiens haben könnte, ist das Thema des letzten Kapitels.

Ein weiter und weiser Blick auf das Land Indien

Sri AurobindoSri Aurobindo bezieht seine fundierten Kenntnisse über Indien wie auch über Europa aus seinem biographischen Hintergrund. Er hatte in England studiert, hatte sich nach seiner Rückkehr in Indien politisch engagiert. Nach seiner Entscheidung, sich dem spirituellen Leben zu widmen, hat er sich zunächst für vier Jahre zu Studienzwecken zurück gezogen. Aurobindo muss darüber hinaus außerordentlich intelligent gewesen sein, da er den Test für die Aufnahme in eine indischen Elitetruppe als elfter von 250 Teilnehmern bestanden hat. Da er aber gar nicht interessiert daran war, in diese Truppe aufgenommen zu werden, kam er zur Reitprüfung absichtlich zu spät und wurde disqualifiziert.

Die Texte wurden in den Jahren 1919-1921 verfasst, sind also mittlerweile bereits knapp hundert Jahre alt. Auf dem Hintergrund des heutigen Standes, dass Indien eine der wirtschaftlich am stärksten wachsenden Nationen ist und sich in manchen Sektoren auch mit besonderen Leistungen hervortut, liest sich das feurige Plädoyer Aurobindos wie ein sehr weiser Blick auf das eigene Land und seine Möglichkeiten. Das Buch ist für alle Indien-Liebhaber sehr zu empfehlen. Es ist aber im Gesamten mehr als Sachbuch zu sehen und weniger als spirituelle Lektüre.

spiritueller Wert 3/5 (für das Kapitel “Religion und Spiritualität“)
praktischer Wert 5/5

 

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Bildquellen (17-08-049: Amazon, circumsolatious.blogspot.it

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