Hormon-Yoga, Dinah Rodrigues

Rezension des „Standardwerks zur hormonellen Balance in den Wechseljahren“.

Hormon-Yoga, Dinah RodriguesObwohl sich jede regelmäßige Yogapraxis auch positiv auf den Hormonhaushalt einer Person auswirkt, wie die Autorin in ihrem Vorwort erwähnt, hat die Brasilianerin Dinah Rodrigues es auf Anstoß ihres Arztes hin unternommen, ein gezieltes Konzept zur Hormonsteigerung zu entwickeln. Der Erfolg, den sie mit ihrem Hormon-Yoga in Ländern auf der ganzen Welt verzeichnet, bestätigt die heute 92-Jährige in ihren Bemühungen.

Die mysteriösen Wechseljahrbeschwerden

Dinah Rodrigues hat Philosophie und Psychologie studiert und geht in der Niederschrift ihres Buches sehr korrekt mit wissenschaftlichem Geist vor. In einem ausführlichen ersten Teil widmet sie sich deshalb den Grundlagen und erklärt ihren Leserinnen, was während der geheimnisvollen Wechseljahre im Körper und speziell im Hormonhaushalt vor sich geht. Aus der Beobachtung, dass diejenigen Frauen am meisten unter den Wechseljahren leiden, deren Hormonspiegel rapide absinkt, während es andere Frauen gibt, die trotz dem Ausbleiben der Monatsblutung einen relativ stabilen Östrogenspiegel bis ins 70.Lebensjahr hinein aufweisen, leitet sie ihre Zielsetzung ab, mit Hilfe einer gezielten Yogaübungsreihe die Hormonproduktion zu stimulieren.

Einfach und anschaulich beschreibt sie diese Zusammenhänge und nimmt dem Phänomen der Wechseljahre hiermit jede unkonkrete und mysteriöse Einhüllung. Des Weiteren stellt sie die Prinzipien des Yoga wie Körper- und Atemübungen, Mudra (Handgesten), Mantra (energetisch wirksame Sanskritworte) und Chakren (Energiezentren) vor.

Konzentriertes Lenken der Energien

Im zweiten Teil des Buches geht es um die Praxis und die Beschreibung der einzelnen Übungen, die in ihrer Summe eine Sequenz von circa einer halben Stunde Dauer bilden. Gemäß der Erfahrung der Autorin muss diese Übungsreihe über einen Zeitraum von mindestens vier Monaten praktiziert werden, um die angestrebte Wirkung zu erzielen.

Da viele Hormondrüsen im menschlichen Körper zusammenwirken, ist es ihr Ziel, Hypophyse, Schilddrüse, Nebennieren und Eierstöcke über die Übungen anzusprechen. Zu diesem Zweck kombiniert sie ausgewählte Yogapositionen mit intensiven Atemübungen (z.B. bhastrikā, die Blasebalg-Atmung) und der mentalen Konzentration auf die erwähnten Zonen in der Vorstellung, dass damit eine Lenkung von Energien verbunden ist.

Dinah Rodrigues erwähnt zwar die spirituelle Dimension, die mit Yoga einhergehen kann, beschränkt sich aber in ihrem Werk ausdrücklich auf die physiologische Ebene. Auf diese Art leistet sie einen Beitrag zur wissenschaftlichen Anerkennung des Yoga und fügt am Ende einige Fallbeispiele aus den von ihr konsequent durchgeführten Auswertungen hinzu.

Sinnvolles Gestalten der Lebensführung

Malerin-Bild von djedj auf pixabayTrotz ihrer sachlichen Art bleibt die Autorin frei von einem rein materialistischen Ansatz und rät zu einer sinnvolleren Lebensgestaltung, was das Bewegungsleben, die Ernährung, das Gedächtnistraining und – ganz wesentlich – die Annahme der Wechseljahre und der Zeit danach als positive Lebensphase betrifft. Dies ist vielleicht sogar ihre eigentliche authentische Leistung, denn so wie in Indien und Japan die Frauen diese Lebensphase als Phase größerer Weisheit und Gestaltungskraft gerade für die Frau annehmnen und dabei Wechseljahresbeschwerden kaum auftreten, so wird es auch den Leserinnen dieses Buches unweigerlich ergehen, dass sie mit neuen Augen auf diesen Lebensabschnitt blicken und ihn als Teil eines sinnerfüllten Lebens annehmen lernen. Wie man aus der Naturheilkunde aber weiß, ist mit einem solchen Annehmen bereits ein erster Schritt heraus aus den Beschwerden geleistet.

Ein ausführlicher Abschnitt widmet sich auch der Abhilfe bei Schlafstörungen und Stress und stellt unterschiedliche mentale und meditative Praktiken, wie zum Beispiel die Mantra-Rezitation vor. Schade nur, dass viele Sanskritbegriffe nicht korrekt geschrieben sind! Das würde die wissenschaftliche Aufmachung des Buches noch verbessern. So muss es beispielsweise amṛta (himmlischer Nektar) heißen oder bestenfalls am-ri-ta, aber nicht am-ri-tza, wie die Autorin schreibt.

Das Buch ist wegen der umfassenden Thematik des weiblichen Hormonhaushalts für alle an diesem Thema interessierten Frauen geeignet. Mittlerweile sind sogar neue Bücher über Hormon-Yoga für den Mann und Hormon-Yoga bei Diabetes von derselben Autorin auf dem Markt. Um zur selbständigen Praxis schreiten zu können, bedarf es jedoch der Anleitung einer erfahrenen Lehrperson. Yoga kann man bis heute nicht aus Büchern lernen.

Spiritueller Wert 3/5
Praktischer Wert 5/5

 

Dinah Rodrigues, Hormon-Yoga, Taschenbuch, 271 Seiten, Schirner Verlag, 19. Auflage 2011, ISBN 978-3843402200.

Das Buch kann online erworben werden auf Amazon.at, derbuchhaendler.at und Thalia.at.

Bildquellennachweis (19-12-30): Buchcover-Amazon, Malerin-Bild von djedj auf pixabay.

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