Welche Interessen verfolgt Walter Ricciardi?

Walter Ricciardi-screenshot youtubeNach dem im Internet veröffentlichten Europass-Lebenslauf aus dem Jahr 2015 hat Gualtiero Walter Ricciardi seit dem Jahr 2001 einen Lehrauftrag als Professor für Hygiene und Volksgesundheit an der katholischen Universität Sacro Cuore in Rom. Von 2014 – 2019 war er von dort für eine Tätigkeit beim Staatlichen Gesundheitsamt ISS freigestellt. Dort war er zuerst Kommissionsmitglied, dann Präsident. Im Juli 2019 wurde öffentlich, dass er sich in einem Interessenskonflikt befindet, da er enge Beziehungen zu Pharmakonzernen hat, die Impfstoffe herstellen und gleichzeitig in seiner Rolle als Präsident des ISS den Gesetzesentwurf durchbrachte, der die Anzahl der verpflichtenden Impfungen in Italien von 4 auf 10 anhob. Im Dezember 2019 kündigte er seine Position beim ISS. (1)

In seiner Rolle als Berater der Regierung in der Coronakrise hat er die verantwortliche Entscheidung für den Lockdown in Italien getroffen. Dabei ist festzuhalten, dass er auch beratendes Mitglied im italienischen Gremium der WHO ist und insofern in Kenntnis der Tatsache sein müsste, dass die WHO im Oktober 2019 festgestellt hat, dass freiheitseinschränkende Maßnahmen bei Epidemien keine positive Auswirkung auf eine Eindämmung des Infektionsverlaufs haben.

Sowohl im Skandal um den Interessenskonflikt beim Thema Impfungen, als auch jetzt, beim Thema Coronavirus kommuniziert Ricciardi im Ausland andere Informationen als in Italien. So hatte er im Ausland seine Beziehungen zu den Pharmakonzernen veröffentlicht, nicht aber in seinem italienischen Lebenslauf beim ISS, und am 23.3.2020 veröffentlichte die englischsprachige Zeitschrift Telegraph ein Interview, in dem Walter Ricciardi bekannt gibt, dass es nur bei 12% der in der Liste der am Coronavirus verstorbenen Menschen eine direkte Kausalität gäbe, bei den übrigen 88% würden zwei oder mehr schwere Vorerkrankungen vorliegen:

Warum sind so viele Menschen in Italien am Coronavirus gestorben?

Kriegsjargon und Vertuschung

Walter Ricciardi ist ein Verfechter für die Politik von Angela Merkel und nutzte dies im Interview in der italienischen allabendlichen Fernsehreihe zum Coronavirus „L’aria che tira“ in seiner Argumentation, um die Wichtigkeit einer „einheitlichen Kommandolinie“ beim Management der Coronakrise zu betonen. (2) Diese einheitliche Linie betont er gerade am Anfang der Krise bei jeder Gelegenheit und spricht sich gegen den Voluntarismus der Provinzen aus. (3) Am 13.03.2020 hat der bayerische Rundfunk ein Interview mit Ricciardi veröffentlicht, in dem er vom „Krieg“ gegen den Virus spricht und die Rolle der Polizei bei den erniedrigenden Sanktionen verharmlost, indem er sagt, die Polizei in Italien würde die Menschen, die sich nicht an die freiheitsbeschränkenden Maßnahmen halten, nur „ermahnen“:

Corona-Krise in Italien: “Wir haben verstanden, dass das eine Art Krieg ist”

Er lässt sich in den Medien als Mitglied der WHO bezeichnen, solange bis diese sich offiziell von ihm distanziert und erklärt, dass er in seinen Aussagen nicht die Linie der WHO wiedergibt. Genauso lässt er sich als Vorstand der Task Force oder als Virologe bezeichnen. (4)

Auf die Frage, ob er für eine Impfpflicht gegen den Coronavirus plädiert, hält er dafür, dass sich die Italiener nun „aus Angst“ freiwillig impfen lassen werden. (5)

Walter Ricciardi denkt auch als Wissenschaftler katholisch und sagt in dem genannten Fernseh-Interview: „Es gibt nur eine Wissenschaft.“ Von dieser einen Wissenschaft würden gewisse Wissenschaftler aber abweichen, indem sie bei öffentlichen Diskursen im Fernsehen unterschiedliche Meinungen vertreten. Angesichts dieser Einstellung drängt sich geradezu das Bild des katholischen Sektenreferenten auf, der gegen „Abweichler“ von der kirchlichen Meinung hinterrücks mit Denunziation vorgeht. Während Walter Ricciardi keine der Sache dienenden Argumente in die italienische Diskussion um den Coronavirus einbringt, sondern ausschließlich mit Angstmacherei arbeitet, denunziert er mit einer solchen Bemerkung alle Ärztekollegen, die sich um eine rechte Anschauung der Situation bemühen. Eine hierzu konträre Ansicht vertritt in Deutschland der Arzt Bodo Schiffmann, wenn er im Interview bei Kenfm sagt: „Wissenschaft mit nur einer Meinung geht in der Regel schief, das heißt ich brauche den Diskurs.“

 

Durch Impfen aus der Krise?

Ein Beispiel für die suggestive Argumentationsstrategie von Walter Ricciardi findet sich ebenfalls im benannten Interview, als er mit dem Argument der Spanischen Grippe argumentiert – eine Strategie, die übrigens auch im Papier aus dem deutschen Innenministerium zur Erzielung der „Schockwirkung“ beim Volk empfohlen wird. Ricciardi sagte dort: „600.000 Italiener sind der Spanischen Grippe 1918/1919 zum Opfer gefallen. Wie können wir den Lockdown aufheben, solange wir noch 500 Tote täglich vorzuweisen haben?“ Mit einer solchen Argumentation ist der Prof. für Mikrobiologie Dr. Sucharit Bhakdi schnell fertig, wenn er sagt: „Wer als Arzt in der Coronakrise mit der Spanischen Grippe argumentiert, hat seine Infektiologie nicht gelernt.“

Für alle Nichtmediziner sei hier angefügt, dass die meisten der durch die Spanische Grippe zu beklagenden Toten an einer bakteriellen Lungenentzündung verstorben sind, weil damals keine ausreichende Menge an Antibiotika zur Verfügung stand. Beim schwersten Verlauf der Erkrankung durch den Coronavirus kommt es hingegen zu einer viralen Lungenentzündung, bei der Antibiotika nicht angewendet werden können und die deshalb zu den schlimmen Bildern aus den Krankenhäusern in der Lombardei geführt haben. Heute aber hat sich die klinische Therapie bei Coronavirus auch in Italien wesentlich gebessert, indem die betroffenen Patienten rechtzeitig und korrekt medizinisch betreut werden und die Erkrankung in fast allen Fällen zu Hause auskurieren können. So berichtet jedenfalls der Anästhesist Stefano Manera aus Bergamo in einem Interview am 17.4.2020.  (6)

Zusammengefasst gibt es engste Verbindungen zwischen Walter Ricciardi und Pharmakonzernen, die Impfstoffe produzieren, er selbst hat als Vorsitzender des ISS am Gesetzesentwurf zur Erweiterung der Impfpflicht in Italien mitgearbeitet. Er spricht sich nun für eine Notwendigkeit der Impfung aller Italiener gegen Covid 19 aus, obwohl ihm als Medizinprofessor klar sein muss, dass die Covid-19-Virusepidemie aller Wahrscheinlichkeit nach schon lange vorbei sein wird, bevor ein guter Impfstoff auf den Markt kommen wird. Sein Denken ist hierarchisch-kirchlich geprägt, sein Ziel ist eine „einheitliche Kommandolinie“, die den einzelnen Provinzen keine Entscheidungsfreiheit lässt. Seine Position findet sich in den Worten Contes wieder: „Die Phase 3 wird erst eintreten, wenn es ein Medikament oder einen Impfstoff gibt.“

Zurück zum Teil I: Mensch oder Virus: was zählt mehr?

Weiter mit Teil III: Vittorio Colao und die Coronakrise in Italien

Anmerkungen:

(1) Ricciardi, il presidente dell’Istituto superiore di Sanità è in conflitto d’interessi? (Investigative Recherche und Konfrontation Ricciardis mit seinen Verbindungen zur Pharmaindustrie)

(2) La stoccata del virologo Walter Ricciardi: “La Germania è un Paese meritocratico e al top … (Der Seitenhieb des Virologen Walter Ricciardi: “Deutschland ist ein leistungsorientiertes Land und besetzt die Spitzen wichtiger Posten mit den fähigsten Menschen…)

(3) RICCIARDI (OMS) ► “ORA CORONAVIRUS SI ESTENDERÀ: SERVIVA QUARANTENA MA GOVERNO NON HA ASCOLTATO” (Ricciardi wendet sich hier nicht nur gegen den “Volontarismus” der Provinzen, sondern macht auch eine Schuldzuweisung gegenüber der Regierung.)

(4) OMS: WALTER RICCIARDI NON CI RAPPRESENTA (WHO: Walter Ricciardi repräsentiert uns nicht.)

(5) Ricciardi: “Non possiamo permetterci ora un via libera” – Frontiere 27/04/2020

(6) Intervista al dott Stefano Manera – Massimo Mazzucchi

Bildnachweis (20-05-02): Walter Ricciardi – youtube-screenshot

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