Japa Yoga, Swami Sivananda

Rezension der Einführung in den Japa Yoga nach den Anleitungen von Swami Sivananda.

Der Yoga Vidya Verlag hat im Jahr 2017 die Übersetzung aus dem Englischen über den Japa Yoga nach Swami Sivananda neu aufgelegt. Grund genug, um sich etwas näher mit der Broschüre zu befassen. Den Kern des Buches bilden Ausführungen von Swami Sivananda zum Japa Yoga in fünf Kapiteln:

  • Die Lehre des Japa,
  • Die Herrlichkeit des Namens,
  • Mantras,
  • Sadhana – Spirituelle Praxis,
  • Geschichten von Japa-Yogis.

Ein einführender Teil mit Versen und Gebeten und ein Anhang mit Glossar umrahmen die Texte.

Swami Sivananda lebte von 1887 – 1963 und war einer der bedeutendsten Yogameister, die wesentlich zur Verbreitung des Yoga auch im Westen beigetragen haben. Sein Schüler Swami Vishnudevananda begründete 1959 in Kanada das erste Sivananda Yoga Vedanta Center, dem bald weitere folgten. Die von ihm eingeführten einmonatigen Intensiv-Yogalehrerausbildungen werden in einigen dieser Zentren bis heute angeboten.

Japa Yoga – die leichteste Form der Selbstverwirklichung

Nach der indischen Vedanta-Philosophie wechseln sich im Weltenverlauf verschiedene Zeitalter ab und wir befinden uns heute im – finsteren – Kali Yuga, dem Zeitalter der größten Entfremdung von allem Göttlichen. In diesem Zeitalter, wo die Menschen nur mehr schwierig Zugang zu tiefer Meditation finden, sei Japa Yoga die leichteste Methode der Selbstverwirklichung, so Swami Sivananda am Anfang des Büchleins.

Japa nennt man die Wiederholung des Namens Gottes in Form eines Mantra. Als Voraussetzung braucht es ein unbedingtes Vertrauen in die Kraft des Mantra. Sobald man an der Wirkung der Mantra zweifelt und denkt, man müsste noch andere Methoden mit zu Hilfe nehmen, ist die gesamte Praxis schon wirkungslos. Da aber die Menschen sehr weit von spirituellen Einsichten entfernt sind, braucht es oft sehr viele Wiederholungen, bis sich der gewünschte Erfolg der Verwirklichung einstellt. Ein Mindestmaß an täglichen Wiederholungen sind nach Swami Sivananda so viele, wie sich Perlen auf der Gebetskette, Mala genannt, befinden, also 108 Mal.

Die vielen Namen Gottes

Rama_mygodpictures.com

Die blaue Hautfarbe von Rama kennzeichnet seine unendliche, göttliche Natur.

Swami Sivananda hat vermutlich im Wesentlichen zu Indern gesprochen und so sagt er einmal: „Wenn ich euch raten würde, den Namen God zu wiederholen, so müsste ich euch erst in die englische Sprache und das Denken des englischen Volkes einführen. So rate ich euch vielmehr dazu, den Namen Rama zu wiederholen, dessen Wesen seit Jahrhunderten im indischen Volk und seiner Kultur eingeschrieben ist.“ Grundsätzlich sei es wichtig, eine persönliche Gottheit zur verehrenden Hinwendung zu wählen und bei der Meditation zu dieser gewählten Gottheit auch zu bleiben.

Ein Mantra ist nichts anderes als der Name einer Gottheit und nach den philosophischen Schriften ist in dem Namen, also in der Bezeichnung der Gottheit mit einem Wort, die ganze Kraftsubstanz und Gestalt dieser Gottheit enthalten, so wie in einem Samen bereits die ganze Pflanze auf geheimnisvolle Weise enthalten ist. Mit der wiederholten Rezitation und inneren Hinwendung kann nun die übende Person diese Gestalt Gottes wie in den Raum rufen und Wirklichkeit werden lassen. Swami Sivananda erzählt reichlich Geschichten und Anekdoten von Menschen, die durch Japa Yoga der persönlichen Gottheit begegnet sind.

Hingabe an Gott – ein Wert für den Menschen der Moderne?

Wie ein roter Faden zieht sich der Gedanke durch das Büchlein, dass man Japa Yoga nicht aus eigennützigen Motiven machen sollte, sondern dass mit der regelmäßigen Mantra-Meditation möglichst ein spirituelles Anliegen verbunden sein sollte. Dann allerdings wirkt das Mantra sogar, wenn es bloß mechanisch rezitiert wird, weil man sich vielleicht mit seiner Aufmerksamkeit etwas verloren hat. Die Verwirklichung dauert in dem Fall nur etwas länger, so Swami Sivananda. Des weiteren ist zwar die Rede von 100.000fachen und sogar Millionenfachen Wiederholungen eines Mantra, dennoch sollte man dabei immer den gesunden Menschenverstand walten lassen und zum Beispiel nicht zwanghaft gegen die eigenen Gefühle rezitieren.

Das Buch enthält zahlreiche traditionelle Sanskrit-Mantra, welche jeweils die Verehrung gegenüber einem Aspekt des Göttlichen zum Ausdruck bringen. Diese Mantra sind in der sogenannten Devanagari-Schrift und in Umschrift abgedruckt.

Aufgrund seiner ernsthaften Thematik eignet sich das Büchlein über Japa Yoga vor allem für Personen, die bereits eine regelmäßige Yogapraxis verfolgen und das Gebiet der Mantra-Rezitation vertiefen wollen. Des weiteren gibt es eine gute Grundlage für diejenigen, die den Japa Yoga als Meditationsweg für sich wählen und fundierte Hinweise für die Praxis suchen. In diesem Fall dürfte es aber wohl, wie immer im Yoga, nicht ohne die Anleitung durch einen Lehrer, der sich mit den Mantra und am besten auch etwas mit Sanskrit auskennt, gehen.

 

Spiritueller Wert 5/5
Praktischer Wert 4/5

 

Das Buch ist online erhältlich über Amazon.at, bei Thalia.at als ebook und im Yoga Vidya Verlag sowohl als Taschenbuch, wie als ebook.

Swami Sivananda, Japa Yoga, 208 Seiten, broschiert, Yoga Vidya Verlag 2017, ISBN 9783931854256

 

Ein Kommentar:

  1. Liebe Alina,
    herzlichen Dank für Deine Rezension. Wir freuen uns, dass Dir das Buch gefällt und über Deine Weiterempfehlung.
    Uns liegt es auch sehr am Herzen, da Schriften über diese Yogaart in der reichhaltigen deutschsprachigen Yogaliteratur sehr selten sind.
    Besonders glücklich sind wir darüber, dass wir in dieser Ausgabe erstmals die Mantras in Devanagari und wissenschaftlicher Umschrift präsentieren konnten. So bekommt die in Swami Sivanandas wunderbar einfachen und erhebenden Ratschlägen bestehende Praxisbezogenheit eine ebenso inspirierende sprachwissenschaftliche Grundlage und Tiefe.
    Übrigens gibt es bei Yoga Vidya eine gute Auswahl an Sanskrit-Seminaren für alle, die sich für die genaue Aussprache der Mantras interessieren (https://www.yoga-vidya.de/seminare/?daterange=&q=sanskrit).

    Om Shanti und liebe Grüße
    von Katrin vom Yoga-Vidya-Verlagsteam in Bad Meinberg

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