Maharishi Mahesh Yogi und die Transzendentale Meditation

Maharishi Mahesh Yogi – Geschäftsmann oder Meditierender?

Kurzbiographie des Gründers der Transzendentalen Meditation.

Maharishi Mahesh YogiWer sich näher mit Meditation beschäftigt, kommt nicht an der Transzententalen Meditation vorbei. Diese wurde von Maharishi Mahesh Yogi ins Leben gerufen. Doch es ist gar nicht so einfach, sich als ein Außenstehender ein objektives Bild von Sinn und Bedeutung dieser Art von Meditation zu machen. Die TM-Institute selbst geben nämlich keine näheren Erläuterungen dazu ab. Sie verlangen stattdessen den Besuch eines 7-gliedrigen Einführungskurses zum Preis von 1.200.- €.

Der Dokumentarfilm „David wants to fly“ aus dem Jahr 2010 von David Sieveking veranschaulicht einige der vielfältigen Aspekte, die mit der gesamten Bewegung der Transzendentalen Meditation verknüpft sind. Leider bleibt er nicht frei von der „Sektenidee“, die ohnehin nie einem Phänomen gerecht werden kann. Wenn einmal das Prädikat „Sekte“ über eine Person oder eine Bewegung geschüttet wird, ist eine objektive Blickrichtung nicht mehr möglich. „Sekte“ dürfte wohl das derzeit am meisten mit kollektiven Projektionen aufgeladene Wort im deutschsprachigen Raum sein. Für indische Verhältnisse ist es ein völlig normales Phänomen, dass ein Guru oder Meister eine neu geformte Lehre verkündet und dass er sich dennoch mit seinem Gedankengut in einer bestimmten Linie befindet.

Eine vornehme Herkunft

Maharishi als junger MannMaharishi Mahesh Yogi wurde (vermutlich) am 12. Januar 1918 im Bundesland Madhya Pradesh in der Mitte Indiens geboren, sein Geburtsname war (vermutlich) Mahesh Prasad Varma. Seine Familie entstammte der sogenannten Schreiber-Kaste. Neben den Kriegern und den Priestern stellt die Schreiber-Kaste einen hohen Rang dar, aus der viele Personen hervorgingen, die später öffentliche Ämter besetzt haben. Mahesh studierte zunächst Mathematik und Physik an der Universität in Allahabad und machte dort seinen Abschluss.

Ab 1941 wurde er persönlicher Sekretär – also Schreiber – von Swami Brahmananda Saraswati (Guru Dev), dem spirituellen Leiter des Klosters Jyotir Math im Himalaya. Dieser erneuerte das Kloster in religiöser und wirtschaftlicher Hinsicht, nachdem es 150 Jahre ohne einen solchen Leiter gewesen war. Wie dessen Nachfolger später über Mahesh im Interview mitteilte, „gingen ihn Meditation und Mantra nichts an“, da er nicht der Priester-Kaste angehörte. Er ist also vermutlich nicht in tiefere Ebenen der Meditation eingeweiht worden. Interessant ist aber der Umstand, dass der von ihm später so benannte Guru Dev gegen Ende seines Lebens an Mahesh den Auftrag gegeben hat, zu reisen und die Meditation den Massen zu unterrichten. Diesem Auftrag hat er jedenfalls im weiteren Verlauf seines Lebens gebührend entsprochen.

Ein globales Denken

Maharishi mit BeatlesMaharishi Mahesh Yogi, wie er sich selbst ab dem Zeitpunkt seines öffentlichen Auftretens nannte, hat sicherlich einen sehr großen Beitrag dazu geleistet, dass die Meditation als spirituelle Praktik in der ganzen Welt populär geworden ist. Auf dem Foto ist er mit den Beatles zu sehen. Zwei Jahre nach dem Tod von Guru Dev, im Jahr 1955 begann er zunächst in Indien mit öffentlichen Vorträgen aufzutreten. Als er sich 1958 auf die erste von fünf Weltreisen begab, „hatte er nur eine Sache im Kopf, nämlich etwas zu wissen, das für jeden Menschen von Nutzen ist.“ Von 1958 bis 1968 schließlich präsentierte er die Idee der Transzendentalen Meditation in Vorträgen praktisch auf der ganzen Welt. Diese Meditationstechnik besteht in der 20-minütigen Wiederholung eines Sanskrit-mantra in Gedanken. Dies praktiziert man konsequent 2x täglich. Das mantra wird so eingeführt, dass es keine tiefere Bedeutung habe, sondern als Gefährt diene, auf dessen Klang sich der Meditierende in die tieferen Schichten seines Bewusstseins bewegen könne, dort wo die innerste kreative Natur des Menschen bestehe.

In der Folge begann er, sich in der Schweiz anzusiedeln und Lehrer auszubilden. Seine Idee, dass die Transzendentale Meditation für die ganze Welt von Nutzen sei, mündete in die Entwicklung eines Weltplanes, den er 1972 öffentlich verkündete. Diese Idee verfolgte er zielstrebig in seinem weiteren Lebensgang und rief dazu verschiedenste Organisationen ins Leben: 1974 die Maharishi International University, 1982 in Indien die Maharishi Ved Vigyan Vishwa Vidyapeetham, wo die traditionelle Rezitation der Sanskrit-Veden unterrichtet wurde, 1992 die Natural Law Party, eine politische Partei, 2000 die Global Country of World Peace, eine Art selbsternannte Weltfriedensregierung, außerdem gab es die Maharishi Global Financial Research Foundation und noch andere Einrichtungen. Er versprach der westlichen zivilisierten Welt, dass mit der Meditation „der Himmel auf Erden“ möglich werden würde und dass die Nationen, wo sich sehr viele fortgeschrittene Meditierende befänden, „unbesiegbar“ werden würden.

Yogisches Fliegen für fortgeschrittene Meditierende

Yogisches FliegenEine Spezialität innerhalb dieser vielen Aktivitäten ist die Förderung des sogenannten „Yogischen Fliegens“. Das Phänomen der Levitation des Körpers ist zwar nicht wissenschaftlich bestätigt, aber es ist in der Geschichte bekannt als eine Fähigkeit (siddhi), die große Asketen und Heilige hervorbringen können. So gibt es beispielsweise Berichte über Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz, dass sich ihre Körper während einer Begegnung vom Boden abhoben. Und eben auch von indischen Asketen gibt es ähnliche Berichte. Es scheint, dass durch die tiefe Meditation ein Zustand erreicht werden kann, wo die Schwerkraft den Körper nicht mehr ergreift. Maharishi Mahesh Yogi hat nun im Jahr 1977 das sogenannte Sidhi-Programm für fortgeschrittene Meditierende aufgelegt, wo unter anderem das Yogische Fliegen gelernt werden soll. In Realität hat dieses Fliegen niemand bisher erlernt, wohl aber Momente, wo der Körper für einen Moment wie einen Sprung in die Luft macht, siehe Fotos.

Dahinter steht die Idee, dass fortgeschrittene Meditierende einen Einfluss auf das kollektive Unbewusste in ihrem Umfeld ausüben. Dr. Bevan Morris berichtet in seinem Vorwort zu dem Buch „Die Wissenschaft vom Sein und die Kunst des Lebens“, dass laut einer wissenschaftlichen Studie sich die Lebensqualität einer Statt deutlich verbessere, wenn ein Prozent der Bevölkerung regelmäßig meditiere. Dieses Phänomen wird Maharishi-Effekt genannt. Maharishi Mahesh Yogi erweiterte diese Beobachtung dahingehend, dass, wenn es sich bei diesen Meditierenden um Personen handle, die die Kapazität des Yogischen Fliegens besitzen würden, es nur noch die Quadratwurzel von 1% der Weltbevölkerung brauchen würde, um über das Meditieren zum dauerhaften Weltfrieden beizutragen, das wären rechnerisch 7000 Personen. Gegenüber einem seiner amerikanischen Sponsoren hat er sich allerdings ehrlicherweise geäußert: „Ich habe keine Ahnung, ob das funktioniert.“

So absurd sich diese Ideen über das Yogische Fliegen auch anhören, ist doch ein Gedanke bei dem Ganzen hervorzuheben, nämlich dass eine fortgeschrittene Meditationspraxis auch anderen zugute kommen soll. Dieser soziale Aspekt bewahrt eventuell die Meditierenden vor einer zu großen Isolierung oder Eigenbezogenheit, die auf Dauer mit einer Form der Meditationspraxis, wo man sich sehr nach innen zentriert, leicht gegeben ist.

Der marktwirtschaftliche Nutzen der vedischen Tradition

Die Wissenschaft vom SeinDas oben erwähnte Buch „Die Wissenschaft vom Sein und die Kunst des Lebens“ erschien 1963 und enthält die Grundideen von Maharishi Mahesh Yogi, wie alle Lebensbereiche eine Verbesserung durch die Praxis der Meditation erhalten können. Ein weiteres Buch erschien neben anderen kürzeren Werken als Neuinterpretation der ersten sechs Kapitel der Bhagavadgita im Jahr 1990. Dass Maharishi Mahesh Yogi aber das vedische Schrifttum „neu geordnet“ habe, wie es vom TM-Institut angegeben wird, ist angesichts des Umfangs und der Tiefgründigkeit dieser Schriften wohl mehr als übertrieben.

Überhaupt gab es Kritik an ihm besonders von Seiten indischer Gelehrter, die ihm eine Verflachung und quasi einen Ausverkauf der traditionellen Lehren vorwarfen. Dies dürfte wohl auch die zentrale Frage angesichts seines Lebenslaufes sein: hat es einen Wert, wenn die Meditation ganz aus dem Prozess einer spirituellen Gottsuche herausgeschält wird und ausschließlich für das irdische Dasein nutzbar gemacht wird? Die Idee eines „Himmels auf Erden“ ist eine westliche, dem Materialismus entspringende Vorstellung. Dem traditionellen indischen Empfinden entspricht es viel mehr, das irdische Dasein als Vorbereitungsstufe zu der wesentlich bedeutungsvolleren Phase, die die Seele in der kosmischen Welt verbringt, anzusehen. Wenn also Maharishi Mahesh Yogi so erfolgreich mit seinem Programm war, dann könnte das auch mit daran liegen, dass sein Angebot genau dem Bedürfnis des Strebens nach irdischem Glübk entsprochen hat.

Die offene Frage nach der Authentizität

Maharishi HollandDie vielen Projekte zur Installierung des Weltfriedens sind trotz großen finanziellen Aufwands bisher nur Fragmente geblieben. Für mich stellt sich überhaupt die Frage nach der Authentizität von Maharishi Mahesh Yogi. Ähnlich wie Eckhart Tolle verkündet er die weisen Lehren des Orients, die seit Tausenden von Jahren Bestand haben. Ich bezweifle aber, dass er selbst in all diese Bewusstseinszustände vom Transzententalen Bewusstsein über das Kosmische Bewusstsein zum Gottbewusstsein und schließlich zum Einheitsbewusstsein vorgedrungen ist. Die Idee, dass der Weltfrieden über eine Methode, Transzendentale Meditation + Yogisches Fliegen + Rezitation der Veden, hergestellt werden könne, übersieht meiner Meinung nach die wesentliche Bedeutung der Freiheit des einzelnen Individuums. Auch der Umstand, dass David Sieveking mit der Rezitation eines neutralen deutschen Wortes positivere Hirnströme erzielt hat als mit dem Sanskrit-mantra, weist in diese Richtung, dass die Transzendentale Meditation lediglich eine Methode unter vielen ist und es letztlich vom einzelnen Praktizierenden abhängt, welche Ziele er mit der Meditation verfolgt.

In meinen Augen bleibt der Maharishi deshalb doch eher ein guter Geschäftsmann, der sein Produkt der Meditation ordentlich an den Mann gebracht hat – und der sich von „a little tax problem with indish authorities“ nicht aus der Ruhe bringen lässt. Denn nachdem er mehrfach Schwierigkeiten mit den indischen Steuerbehörden bekommen hatte, hatte er 1988 entschieden, aus Gründen der Steuerflucht sich in Holland niederzulassen. Auf dem Foto ist seine holländische Residenz zu sehen, die nach den Kriterien des Ayurveda komplett aus Holzverbindungen erstellt wurde, die frei von Nägeln sind. Er zeigte sich von da an nicht mehr oft in der Öffentlichkeit und verstarb am 5. Februar 2008 als 90-jähriger friedlich im Schlaf. Sein Leichnam wurde nach Indien überführt, wo er die Ehren eines Staatsbegräbnisses erhielt.

Quellen und weitere Informationen:

Englisches Wikipedia, Film „David wants to fly“, Offizielle Webseite der österreichischen TM-Gesellschaft, GMDO-Austria-Institut für ganzheitliche Bewusstseinsentfaltung, Webseite der Freien Transzendentalen Meditation

3 Kommentare:

  1. Liebe Alina,

    Mit Interesse habe ich Ihre Interpretationen über Maharish Mahesh Yogi gelesen. Sie haben noch nie die transzendentale Meditation selbst erlernt und praktiziert, deshalb ist ihr Urteilsvermögen leider nicht vollständig.
    Sie haben von einem enttäuschten Schüler viele Lügen, die er in die Welt gesetzt übernommen in ihrer Beurteilung, das finde ich sehr, sehr schade.

    Seit 2009 bin ich Lehrerin der transzendentalen Meditation und ich würde Sie sehr gerne in diese so einfache, wunderbare und einzigartige Meditationstechnik einführen. Das Geschenk, das sie bekommen durch die regelmässige Ausübung ist unbezahlbar und es gibt Millionen von Menschen, die das bestätigen können!

    Durch meine Kurse habe ich so viele unglaubliche positive Veränderungen bei den Menschen gesehen! Es macht uns glücklicher, energievoller, sozialer, ausgeglichener, stressresistenter, friedvoller ………..

    Alle Menschen die mit Maharishi zusammen gearbeitet haben bestätigen sein Leben in Bescheidenheit und nur zum Wohle von allen Menschen auf dieser Welt für das friedliche in uns. Deshalb wurde das von Mahrishi ins Leben gerufene Friedensprojekt der BST im Zentrum von Indien mit Tausenden von Vedischen Pandits im Jahre 2006 zum immateriellen Erbe der Menschheit gewählt. Durch die Rezitationen der vedischen Pandits (Veda heißt übersetzt das Wissen, Pandits sind die vedischen Gelehrten) werden nachweislich Negativität im Kollektivbewußtsein neutralisiert!

    Alles Liebe und Gute für Sie und vielleicht machen Sie sich selbst dieses großartige Geschenk und lernen diese so effektive und nützliche Meditationstechnik!

    Herzliche Grüße
    Andrea Zundel

  2. Liebe Andrea,

    das ist sicher wahr, dass es besser ist, einen bestimmten Weg oder eine Richtung aus erster Hand zu kennen oder zumindest mehrere verschiedene Standpunkte dazu zu vernehmen, um sich ein möglichst objektives Bild machen zu können. Was nach meiner Meinung gar nicht geht, ist, wenn einer Bewegung der Stempel der Sekte aufgedrückt wird, da dies immer ein unsachliches Kriterium ist.

    Vielen Dank für den Hinweis auf das Friedensprojekt des Maharishi in Indien. Für mich besteht kein Zweifel daran, dass die Rezitation von Sanskrit-Versen, vor allem wenn sie mit einem guten Bewusstsein zu den Inhalten ausgeführt wird, einen positiven und aufbauenden Charakter haben muss. Schließlich ist Sanskrit eine sehr reine Sprache, die traditionellerweise ausschließlich für religiöse Zwecke verwendet wurde.

    Was den Beitrag zum Weltfrieden betrifft, so frage ich mich allerdings, ob das nicht eine Angelegenheit ist, für die tatsächlich jeder Mensch eine gleiche Verantwortung trägt in dem Sinne, dass man aus dem modernen Konsumprinzip heraussteigt und eine Aktivität leistet wie zum Beispiel einige Aspekte aus der Sanskrit-Literatur bis in deren weisheitsvolle Essenz zu ergründen. Man leistet damit eine Aktivität, die zunächst dem gewohnten Nützlichkeitsdenken nichts bietet, die sich aber gleichzeitig mit Werten befasst, die über das irdisch-materielle Dasein hinausgehen. In der Konsequenz dieser Überlegung, die dem menschlichen Individuum einen höheren Stellenwert zuschreibt als den Aktionen, die in Gruppen stattfinden, ist es sogar kontraproduktiv, wenn die Rezitationen der Pandits von den zuhörenden Gästen fast in touristischer Weise konsumiert werden (http://www.maharishiindiacourses.com/de/courses/).

    Ob generell eine Meditationspraxis mehr oder weniger fruchtbar und positiv ist, hängt vermutlich mehr von der meditierenden Person selbst als von der Methode ab. Nur so erklärt es sich meiner Ansicht nach, wieso ein David Lynch vollauf begeistert von TM sein kann, während ein David Sieveking keinen Zugang dazu findet. Jiddu Krishnamurti hat sich bekanntermaßen gegen jede Methode gestellt und auch zur TM eine kritische Position eingenommen. So weit möchte ich allerdings nicht gehen, denn ich kann in dem bloßen Rhythmisieren des Alltags durch die regelmäßige Meditation schon einen gewissen Wert sehen, und das auch ohne noch die Inhalte persönlich erfahren zu haben. Sicherlich ist aber die Art und Weise, wie eine Sache angepackt wird, gerade in sozialer Hinsicht bedeutungsvoller, als das, was man macht.

    Ihre Alina Kumaris

  3. Liebe Alina,

    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    Glauben Sie, daß ich eine Mango so beschreiben kann, daß Sie wissen wie sie schmeckt? Nein, denn Sie werden es erst wissen, wenn Sie die Mango tatsächlich selbst gekostet haben!

    Alles Liebe
    Andrea Zundel

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