Maheshvara Sutra, Mantra des Sanskrit-Alphabets

“Sanskrit ist die Mathematik des Yoga.”

Und so wie die Mathematik mit dem kleinen 1×1 beginnt, so beginnt die Kenntnis der Sanskritsprache mit ihren 50 Lauten, von denen etliche in den europäischen Sprachen nicht extra unterschieden werden: Wer hört schon den Unterschied zwischen einem “T”, das mit eingerollter Zunge gesprochen wird (retroflex) und einem “T”, bei dem die Zunge an den Zähnen anstößt (dental)? Zu fast jedem Konsonanten gibt es eine aspirierte Variante hinzu: “P” ist nicht dasselbe wie “PH”. Und nicht zuletzt gibt es a, i, und u sowohl als kurzen wie als langen Laut.

Beeindruckend ist die klare Logik des Sanskrit-Alphabets, wie es der Physiologie des Mundes entsprechend aufgebaut ist: von den hintersten Kehllauten (Gutturale) unterscheidet man bis zu den Lippenlauten (Labiale) fünf verschiedene Positionen der Zunge beim Sprechen. Nicht von ungefähr waren Indologie und vergleichende Sprachwissenschaft lange Zeit in einem einzigen Lehrstuhl vereint. Mit der Entdeckung der Sanskritsprache und ersten Übersetzungen in europäische Sprachen entstand zu gleicher Zeit die Wissenschaft der Linguistik und man entdeckte, wie das Sanskrit eine Art Wurzelsprache für die indo-europäische Sprachfamilie darstellt.

Noch heute werden die ältesten Sanskrittexte, die Veden, nicht gelesen, sondern in einer Art Singsang rezitiert. Wer sich darauf einlässt, mag eine Ahnung davon bekommen, wie diese Sprache von Sehern in urfernen Zeiten sozusagen aus dem kosmischen Tönen und Vibrieren herausgelesen und den Menschen mitgeteilt wurde. Das Studium der Sanskritsprache eröffnet bis zum heutigen Tag eine Art kosmische Empfindung und einen Sinn für eine Welt, die den materiellen Phänomenen vorausgeht.

Hier also das Maheshvara-Sutra, dreimal hintereinander rezitiert:

 

 

Und hier für Menschen, die sich näher damit befassen wollen, die Lautreihenfolge in Devanagari-Zeichen und in der wissenschaftlichen Umschrift. Das Maheshvara Sutra folgt nicht ganz streng dem Alphabet, sondern präsentiert dieses auf rhythmisch-musikalische Weise:

अ इ उ ण्                      a i u ṇ
ऋ लृ क्                        ṛ lṛ k
ए ओ ङ्                        e o ṅ
ऐ औ च्                         ai au c
ह य व र ट्                     ha ya va ra ṭ
ल ण्                              la ṇ
ज्ञ म ङ ण न म्               jña ma ṅa ṇa na m
झ भ ञ                         jha bha ña
घ ढ ध ष्                       gha ḍha dha ṣ
जब गड द श्                 ja ba gaḍa da ś
ख फ च ठ थ च ट त व्   kha pha ca ṭha tha ca ṭa ta v
क प य्                         ka pa y
श ष स र्                      śa ṣa sa r
ह ल्                             ha l

 

Viel Spass beim Lernen, Rezitieren und Formen der Laute!

Weiterführende Informationen: https://www.sai.uni-heidelberg.de/tamil/

Dr. Thomas Lehmann stellt sein Sanskrit-Lehrwerk unentgeltlich als PDF zur Verfügung!

(Es erscheint auf der Webseite unterhalb des Tamil-Lehrwerks).

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