Muladhara Chakra – das bija-mantra lam

Der Sanskrit-Buchstabe laṁ लं ist das sogenannte Keim-mantra des ersten Energiezentrums.

Muladhara-chakra_en.wikipedia.orgDas Wurzel-Zentrum, mūlādhara cakra, liegt an der Basis der Wirbelsäule. Bija ist das Sanskritwort für „Keim“ und  bija-mantra bedeutet, dass der in der Sprache des Menschen geäußerte Laut laṁ dem von der feinstofflichen Schwingung ausgehenden Ton des mūlādhara cakra entspricht. Das laṁ ist dabei so viel wie das deutsche “l”, denn es ist eine Eigenart des Sanskrit, dass an jeden Laut ein “a” angehängt wird. Nur wenn man einen anderen Laut, wie z.B. ein „i“ oder „u“ äußern möchte, dann wird dafür ein extra Zeichen gesetzt. Allerdings besteht ein Unterschied im Verständnis zu dem Laut, der im Sanskrit als sogenannter Halbvokal bezeichnet wird. Nur deshalb ist es auch möglich, ihn in Form eines Keim-mantra zum Klingen zu bringen. Das “m” schließlich ist weniger ein eigener Laut als vielmehr ein Nachklang. Es nimmt im Sanskrit-Alphabet eine Sonderstellung zwischen Vokalen und Konsonanten ein.

bija mantra laṁ

 

Die Symbolik im cakra nach den Angaben des Kundalini Yoga

muladhara-chakra_yogaindailylife.orgUm während der Mantra-Rezitation eine gewisse Vorstellung von der Bedeutung der Wortsilbe laṁ im Bewusstsein bewahren zu können, ist es sinnvoll, sich etwas mit der Symbolik des mūlādhara cakra zu beschäftigen. Nach den Angaben von M.P. Pandit in dem Buch Kundalini Yoga reitet das bija, also die Keimsilbe laṁ auf einem Elefanten. Dieser repräsentiert die charakteristischen Eigenschaften, die sich in dem mūlādhara cakra ausdrücken: Kraft, Festigkeit und Kompaktheit. Ein gelbes Quadrat innerhalb der Lotusblüte zeigt an, dass hier das Zentrum des Erden-Elementes vorliegt, denn das Quadrat ist das Symbol für das irdische Dasein.

Im Menschen äußert sich das irdische Element in der körperlichen Substanz (dhātu). Die Kraftquelle für diese körperliche Substanz befindet sich ebenfalls in dem mūlādhara cakra. Sie wird ḍākinī śakti genannt. Ein cakra ist eine Art kosmisches Feld, das im Menschen kosmische Prinzipien widerspiegelt. Wenn in der cakra-Symbolik deshalb Götterfiguren erscheinen, ist es besser, an ein kosmisches Kräftewirken zu denken, wie es zum Beispiel in der Astrologie geläufig ist. Brahma, der devata (Gottheit) des mūlādhara cakra ist in diesem Sinne ein personifizierter männlicher kosmischer Aspekt und Savitri ein weiblicher Aspekt. Brahma ist Ausdruck der Schöpferkraft, des Ursprungs der Dinge. Savitri ist nach Sri Aurobindo die Tochter der Sonne und verbindet als solche das schöpferische Urprinzip mit dem Erdenprinzip.

Der leichte Schwung des laṁ

Buchstabe l_wikipedia.orgNach der Interpretation eines unbekannten Autors taucht der Mensch mit dem mūlādhara cakra in die Erdenschwere ein, aber er überwindet sie auch zugleich auf eine seelische Weise. Dieses seelische Überwinden der Erdenschwere kann als Deutung der Lautgeste des “l” dienen, wenn zum Beispiel in der deutschen Schreibschrift das “l” als Großbuchstabe von oben nach unten schwingt, während es sich als Kleinbuchstabe von unten nach oben in die Länge schwingt. Interessant ist auch in diesem Zusammenhang die eurythmische Geste, die zwar fern von der Yogakultur entstanden ist, aber dennoch eine Urcharakteristik eines Lautes zum Ausdruck bringt: die L-Geste sammelt sich in der Tiefe, um sich dann schnell und leicht hoch aufzuschwingen.

Hinweise zum gesanglichen Element

Für die Mantra-Rezitation ist es angezeigt, das “l” etwas anklingen zu lassen, das “a” wird nur kurz angedeutet und auf dem “m” klingt die Silbe auch schon wieder aus. Wer bei der Rezitation dieses mantra am Boden sitzt, kann sich vorstellen, wie das „l“ von der Wirbelsäulenbasis bis zu den Stimmbändern hinauf schwingt. Nach indischer Art wird das “l” dental gesprochen, das heißt, die Zunge stößt an die Zähne an und formt den Laut nicht weiter hinten im Mund, wie es eher der deutschen Sprache entspricht. Auf diese Art kommt es auch mehr zum Klingen. Damit ein gleichmäßiger Rhythmus bei der Rezitation entsteht, ist es sinnvoll, vor jeder Silbe auf leichte Weise einzuatmen. Dabei muss nicht ein strenger Takt eingehalten werden, sondern der Rhythmus im Singen ergibt sich aus dem Horchen auf den Atemrhythmus in der Bemühung, dass dieser immer leicht und natürlich bleibt.

Textquellen:

Thomas Lehmann, Sanskrit für Anfänger, Ein Lehr- und Übungsbuch, M. P. Pandit, Kundalini Yoga, Verlag Drei Eichen, München; Sri Aurobindo, Savitri, Aquamarin Verlag 2014; S M A, L M I, T M U Heileurythmische Übungen bei Aphasie https://www.youtube.com/watch?v=KowTQKY7IMI

Bildquellen (18-04-01):

en.wikipedia.org, yogaindailylife.org, wikipedia.org

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