Dr. Sadananda Das und die lebendige Sanskritsprache

Kurzbiographie und Interview mit dem renommierten indischen Sanskritdozenten Dr. Sadananda Das.

Dr. Sadananda Das-Spracheninstitut LeipzigIn der indischen Provinz Orissa geboren, besuchte Sadananda Das nach dem Abschluss an der High School die nationale Sanskrituniversität in New Delhi (Rashtriya Sanskrit Sansthan), deren Schwerpunkt in der Förderung der Sanskritsprache liegt. Dort schloss er im Jahr 1989 die Bachelorprüfung mit Auszeichnung ab, ebenso wie 1991 das Masterstudium, das er in Pune fortgesetzt hat.¹

Noch bevor er seine akademische Laufbahn jedoch wie geplant mit dem Doktortitel fortführen konnte, erhielt er eine Berufung für eine Assistentenstelle in Varanasi in Zusammenarbeit mit der in Salzburg gebürtigen Indologin Bettina Sharada Bäumer. Die heute 79-Jährige lebt seit über 40 Jahren in Indien und hat mittlerweile auch die indische Staatsbürgerschaft angenommen. Ihr Hauptforschungsfeld ist der Kashmir-Shivaismus, eine aus dem indischen Mittelalter hervorgehende Tantra-Yoga-Tradition, die ihren Hauptvertreter in Abhinavagupta (975-1025 n. Chr. ) hatte.²

Während der Jahre ihrer Zusammenarbeit erreichte Sadananda Das eines Tages ein Brief aus Heidelberg in Deutschland mit dem Angebot einer Dozentenstelle für Sanskrit in Vertretung eines vakanten Postens. Er nahm die Stelle an und unterrichtete zwei Jahre lang Sanskrit in Heidelberg. Als man ihm dort sogar eine unbefristete Stelle anbot, lehnte er hingegen ab, da ihm der Schritt für einen so großen Wechsel von Indien nach Deutschland zu früh vorkam. Zurück in Indien erfolgte die Doktorarbeit mit dem Titel: Vedic Theories of Creation: With Special Reference zu the Atharvaveda. 

Die Summer School for Spoken Sanskrit

Mit der Universität in Heidelberg war er aber überein gekommen, wieder für vier Wochen zurück zu kehren und einen Intensivkurs für “Spoken Sanskrit” anzubieten. Spoken Sanskrit, also die Sanskritsprache auch im Alltagsleben zu sprechen und nicht nur in historischen Texten zu studieren, ist nach den Worten von Sadananda Das wie eine dritte Epoche in der jahrtausendealten Geschichte dieser Sprache. Am Anfang steht die vedische Phase, aus der die vier Veden und die zugehörigen Begleittexte und Ergänzungen, wie zum Beispiel die Upanishaden stammen. Dann folgt die Phase des klassischen Sanskrit, aus der Texte in allen denkbaren Wissensgebieten enthalten sind: Von der Grammatik über die Kunst und Poesie bis hin zur Staatslehre (Arthashastra) und Medizin (Ayurveda).

Während all dieser Jahre wurde Sanskrit immer von den Gelehrten Indiens auch gesprochen, vor allem um philosophische Themen zu debattieren.³ Diese Tradition des Sanskritsprechens wäre beinahe verloren gegangen und so waren es im Jahr 2011 noch etwa 15.000 Personen, die in der Lage waren, sich in Sanskrit auszudrücken. In den letzten Jahren gibt es jedoch eine internationale Bewegung, das Vokabular des Sanskrit den Bedingungen des modernen Lebens mit Computer, Straßenverkehr und Konsumgütern anzupassen und auf der ganzen Welt interessieren sich Menschen dafür, Sanskrit sprechen zu lernen.4

Aus dem einmal geplanten vierwöchigen Intensivkurs sind mittlerweile etwa 40 Kurse geworden und Dr. Sadananda Das hat tatsächlich seinen Lebensmittelpunkt nach Deutschland in die Stadt Leipzig verlegt, wo er seit 2005 eine Dozentenstelle am Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften innehat.5 Während der letzten Summer School for Spoken Sanskrit im August 2019 war es uns möglich, ein Interview mit Dr. Das zu führen, das in Kürze hier unter diesem Beitrag veröffentlicht werden wird.

Wird es zu einer Renaissance der Sanskritsprache kommen, welche die ganze Welt des Yoga und der Spiritualität mit ihrer inneliegenden Einheit von Wortsinn und Wortklang befruchten wird?

 

Textquellen und Anmerkungen:

(1) Sadananda Das Curriculum Vitae, https://www.sai.uni-heidelberg.de/abt/IND/mitarbeiter/das/cv.pdf

(2) Bettina Bäumer, https://en.wikipedia.org/wiki/Bettina_Baumer

(3) Ein anschauliches Beispiel ist die Rede von Sringeri Sankaracharya Sri Bharathi Theertha Mahaswamiji  auf Youtube, einem der großen zeitgenössischen Sanskritgelehrten, https://www.youtube.com/watch?v=KbDmqTFsUcY

(4) Ein Ergebnis dieser Bewegung ist die Seite spokensanskrit.org, ein Online Sanskrit-Wörterbuch, das auch moderne Ausdrücke und Vokabeln enthält, http://spokensanskrit.org/index.php?mode=3&script=hk&tran_input=saras&direct=au

(5) Bildnachweis (19-09-22) und Webseite,  https://home.uni-leipzig.de/sprachen/kurse/sanskrit/988-sanskrit-summer-school/

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