Sanskrit-Deutsch Deutsch-Sanskrit, Klaus Mylius

Sanskrit-Deutsch Wörterbuch, Klaus MyliusRezension des einzigen Lexikons, das auch einen Abschnitt Deutsch-Sanskrit enthält.

Sanskrit für Deutsche

Der Autor Klaus Mylius, geboren im Jahr 1930, war als Professor für Indologie an den Universitäten Leipzig, Bayreuth und Frankfurt tätig. Er hat mit verschiedenen Übersetzungen und Publikationen, wie zum Beispiel über altindische Ritualistik, zu dem etwas speziellen Fachgebiet beigetragen.¹ Sein wohl wichtigstes Werk ist jedoch das vorliegende Wörterbuch, das im deutschen Sprachraum eine Monopolstellung einnimmt.

Es ist ein einbändiges Werk mit einem Abschnitt Sanskrit-Deutsch mit 70.000 Stichwörtern und einem weiteren Abschnitt Deutsch-Sanskrit mit 26.000 Stichwörtern. Die Sanskritbegriffe sind in der wissenschaftlichen Umschrift gehalten, so dass der Leser die indische Devanagari-Schrift nicht als Voraussetzung zur Arbeit mit dem Wörterbuch beherrschen muss. Einzige Bedingung für das Nachschlagen ist es, dass man den Verlauf des Sanskritalphabets kennt, denn die Wörter sind in der Reihenfolge dieses Alphabets angeordnet (siehe Abbildung unten). Für wen dieser Schritt bereits eine zu große Hürde darstellt, sei auf das Spirituelle Wörterbuch Sanskrit-Deutsch von Martin Mittwede verwiesen. Ansonsten ist das Druckbild sehr klar und übersichtlich, auch das kommt dem Leser entgegen.

Zwar finden sich die großen, historischen Wörterbücher wie das Petersburger Wörterbuch von Böhtlingk und das Sanskrit-English-Dictionary von Monier-Williams mittlerweile online im Internet, aber um damit umzugehen, muss man die wissenschaftliche Umschrift bereits gut beherrschen. Dasselbe gilt für das moderne Sanskrit Dictionary for Spoken Sanskrit. Mit dem Werk von Klaus Mylius liegt ein Buch vor, das für deutschsprachige Sanskritstudenten, wie auch für an Sanskrit interessierte Laien eine handliche Hilfe bietet. Wer allerdings ernsthaft wissenschaftlich an einem Text arbeitet, wird mit dem Buch sehr schnell an seine Grenzen stoßen.

Lob und Kritik

Devanagari-AlphabetIm Vorwort listet der Autor diejenigen indischen literarischen Werke auf, die mit Hilfe des Wörterbuchs vollständig oder zumindest sehr umfassend gelesen werden können. Sein Anliegen ist es dabei, dass auch die vedischen Texte ausreichend vertreten sind, während er für wissenschaftliche Texte keinen Anspruch erhebt, den Wortschatz abdecken zu können. Wie heikel die Frage nach der Wortauswahl für ein solches Wörterbuch ist, zeigt sich zum Beispiel an der Kritik von Ulrich Stiehl. Dieser weist darauf hin, dass Mylius die Eigennamen, wie sie beispielsweise besonders zahlreich in der Bhagavadgita vorkommen, nicht berücksichtigt hat.² Somit wird der Leser zwar “im weiten Umfang” bei der Übersetzung der Bhagavadgita mit dem vorliegenden Wörterbuch auskommen, aber eben nicht komplett.

Als das einzige Wörterbuch auf dem Büchermarkt mit einem Abschnitt Deutsch-Sanskrit füllt es jedoch eine wichtige Lücke und trägt dazu bei, die in allgemeinen Bevölkerungsschichten sehr unbekannte Sanskritsprache leichter zugänglich zu machen. Auf dem Hintergrund des zunehmenden Interesses gerade an der indischen spirituellen Literatur ist dies unbedingt zu würdigen. Der Yogapraktizierende zum Beispiel kommt nämlich sehr leicht an die Hürde, dass er sich für bestimmte Sanskrittermini interessiert, aber sich nicht mit der äußerst differenzierten Grammatik des Sanskrit beschäftigen möchte. Die Möglichkeit, mit dem Wörterbuch in beide Richtungen zu arbeiten, also Sanskrit-Deutsch und Deutsch-Sanskrit, kann hier unter Umständen eine gute Hilfe darstellen.

Deutsch-Sanskrit-Wörterbuch, Klaus MyliusWer zum Beispiel ein Wort vorliegen hat wie kariṣyāmi (= ich werde arbeiten) und nur in etwa so ahnt, dass es etwas mit arbeiten zu tun hat, kann auf Deutsch unter Arbeit nachschlagen und wird feststellen, dass alle Wortformen wie arbeiten, die Arbeit, der Arbeiter, etc. mit den drei Buchstaben kar beginnen. Somit bestätigt sich die Vermutung, dass kariṣyāmi etwas mit arbeiten zu tun hat. Um nun aber die genaue Form dieses Verbs zu identifizieren, bräuchte man dann zusätzlich ein Grammatik-Kompendium.

Spiritueller Wert 1/5
Praktischer Wert 4/5

 

Klaus Mylius, Sanskrit-Deutsch (583 Seiten) Deutsch-Sanskrit (322 Seiten): Wörterbuch, Hardcover, Harrassowitz Verlag 2005, ISBN 3447051434

Das Buch kann online erworben werden über Amazon.at, derbuchhaendler.at, Thalia.at.

 

Anmerkungen:

(1) Wikipedia, Stichwort “Klaus Mylius”, https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Mylius

(2) Ulrich Stiehl, Sanskrit-Kompendium, Heidelberg 2007, ISBN 978387081-539-4

Bildernachweis (19-08-16): Beitragsbild-Amazon.at, Alphabet-Photo aus: Teach Yourself Samskrit, ISBN -81-86111-02-6, Stichwort “Arbeit”-Klaus Mylius, Deutsch-Sanskrit, S. 27

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