Sinken und Erregung – die zwei großen Hindernisse in der Meditation

Der 14. Dalai Lama über Sinken und Erregung als hauptsächliche Schwierigkeiten bei der Meditation.

Auszug aus der in dem Buch “Yoga des Geistes” enthaltenen Anleitung zur Geistesschulung, Hamburg, 1982.

Meditation_aponderingmind.orgWer kennt nicht die vielen idyllischen Bilder von Menschen, die meditieren und inneren Frieden und inneres Glück erfahren. Kaum beginnt man jedoch mit der eigenen Meditations-Praxis, so stößt man auf die vielfältigsten Ablenkungen und Hindernisse, die die größten Zweifel aufkommen lassen darüber, dass man mit Meditation jemals erfolgreich voran schreiten kann. In seiner Anleitung zur Geistesschulung, die aktuell im Mai 2017 neu aufgelegt wurde, schildert der Dalai Lama in klaren Worten zwei wesentliche solche Störungen und wie man ihnen begegnen kann:

„Es gibt viele Störungen, die den Geist daran hindern, einsgerichtet auf seinem Objekt zu verweilen. Die stärksten Hindernisse sind jedoch Sinken und Erregung. Sinken und Erregung treten in verschiedenen gröberen und feineren Formen auf. Als wichtigstes Mittel dagegen und als haupsächlichen Faktor zur Erreichung von Konzentration muss man die Kraft der Vergegenwärtigung pflegen. Das ist die Fähigkeit, sich ein Objekt mit einsgerichtetem Geist deutlich bewusst zu machen und es dann festzuhalten, ohne es zu verlieren oder zu vergessen. Wenn die Kraft der Vergegenwärtigung richtig angewendet und gefördert wird, zieht sie allein schon die Selbstprüfung nach sich, mit der man sorgfältig darauf achtet, ob Fehler bei der Meditation auftreten.

Zuerst vergegenwärtigt man sich also das Objekt, indem man versucht, es mit einsgerichteter Aufmerksamkeit klar und eindeutig zu erfassen und im Geist festzuhalten. Wenn nun der Geist abgelenkt wird, indem er flatterhaft wird, von seinem Objekt abschweift und sich verliert, dann ist das ein Zeichen dafür, dass Erregung aufgetreten ist. Der Fehler ist, dass der Geist zu “hoch” ist; er muss wieder etwas “niedergedrückt” werden.

Den Geist erhöhen oder niederdrücken

Daher schwächt man den Übereifer des Geistes ab und setzt ihn damit “herunter”. Dies mag zum einen zu dem gewünschten Ziel führen, dass der Geist nicht mehr so flatterhaft ist und von seinem Objekt abschweift, zum anderen kann dadurch aber auch eine Dumpfheit des Geistes hervorgerufen werden. Das Objekt der Meditation erscheint dann nicht mehr so deutlich und die klare, erhellende Natur des Geistes, sein “klares Licht” kommt nicht mehr so deutlich zum Vorschein. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Fehler des Sinkens aufgetreten ist. In diesem Fall ist es notwendig, den Geist wieder zu “erhöhen” und wieder mehr Eifer aufzubringen. Man muss in der eigenen Meditationserfahrung kennenlernen, was die beiden Fehler Erregung und Sinken tatsächlich sind und wie man ihnen mit den richtigen Gegenmitteln begegnet. Mit Worten allein kann man ihre Bedeutung nicht vermitteln. Bei der Übung ist es vorteilhaft, an jedem Tag viele Meditationssitzungen durchzuführen, die aber alle nur von kurzer Dauer sein sollten.“

Dalai Lama_tibetanreview.netDer Dalai Lama ist das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus und zugleich das im Exil in Indien wohnhafte weltliche Oberhaupt des von China annektierten Landes Tibet. Er sagt über sich selbst, dass er womöglich der letzte Dalai Lama sei, denn er fürchtet, dass die Chinesen nach seinem Tod über die Person des Dalai Lama bestimmen wollen.

Über das Buch „Yoga des Geistes“, siehe auch die entsprechende Rezension.

Das Dokument „Tibet in Österreich“ listet interessante Adressen und Einrichtungen zu Tibet und zum tibetischen Buddhismus in Österreich auf.

Bildquelle (17-09-23): aponderingmind.org

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