Vishnu Devananda, ein Kämpfer für den Frieden

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Vishnudevananda, 1927 – 1993

Swami Vishnu Devananda – ein bescheidener Kämpfer für den Frieden.

Kurzbiographie des Begründers der Sivananda Yoga Vedanta Zentren in der ganzen Welt.

Swami Vishnu Devananda wurde am 31. Dezember 1927 im südindischen Kerala geboren und erhielt zunächst den Namen Swamy Kuttan Nair. Sein Vater war dort ein Gutbesitzer. Nachdem er mit 16 Jahren die Schule mit Auszeichnung in den wissenschaftlichen Fächern abschloss, ging er zum Militär, um dort weiteres Wissen zu erwerben. Ein Hochschulstudium war ihm aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Er war ein philosophischer Geist und als er eines Tages im Papierkorb des Militärbüros eine zusammengeknüllte Schrift von Swami Sivananda fand, bekam seine Suche nach dem Sinn des Lebens erste Antworten. Er beantragte einen Sonderurlaub und machte sich auf die Reise nach Rishikesh am Fuße des Himalaya, um Sivananda zu begegnen. Diese Begegnung, die nur sehr kurz ausfiel, schilderte er später so:

Zum ersten Mal sah ich einen aufrichtigen Menschen und was er sagte, war so direkt, und wenn er lächelte, war es, als ob Energie von seinem Gesicht in meines strömte.

 

Ein ehrgeiziger und talentierter Sannyasin-Mönch

Er besorgte sich im Ashram Bücher über den Yoga und begann zurück in der Armee, regelmäßig zu studieren und Asana und Pranayama zu praktizieren. 1946 verließ er die Armee und besuchte Sivananda ein zweites Mal, bevor er in seine Heimat im Süden Indiens zurück kehrte. Doch schon ein Jahr später, als er anlässlich des 60. Geburtstags von Sivananda eine Woche im Ashram in Rishikesh verbrachte, entschied er sich, dort zu bleiben, nachdem dieser ihn dazu eingeladen hatte.

Jung, eifrig und talentiert, wie er war, wurde er schnell vom Yoga-Übenden zum Yogalehrer, vom interessierten Studenten zum Mönch und vom spirituellen Schüler zum persönlichen Assistenten von Sivananda. Vishnu Devananda, obwohl in traditionell hinduistischer Umgebung aufgewachsen, hielt als junger Mann nicht viel von den religiösen Riten und Gebräuchen und sah vielmehr in der westlichen Welt ein Vorbild. 1957, nach 10 intensiven Lehrjahren, davon eines als Wanderjahr als Bettelmönch, sandte Sivananda ihn schließlich in seinem 30. Lebensjahr in den Westen, um dort den Yoga und die Vedanta-Philosophie zu lehren, mit den Worten: “People are waiting.”

Mit einem symbolischen 10-Rupienschein von Sivananda in der Tasche ausgestattet zog Vishnu Devananda los und erreichte nach langer Reise New York, wo er sich niederlassen wollte. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich dabei großteils durch Yogastunden. Immer wieder traf er auf seiner Reise auch auf Schüler von Sivananda, die ihn unterstützten. Da er für die Vereinigten Staaten aber keine Niederlassungsbewilligung erhielt, kehrte er nach Kanada zurück, wo er zuvor schon einmal Station gemacht hatte.

Aufbaujahre motiviert von hohen Idealen

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Jugendliche Beweglichkeit Vishnu Devanandas

So entstand im Jahr 1959 in Montreal das erste Sivananda Yoga Vedanta Zentrum und kurz darauf in den nahegelegenen Bergen das erste Yogaferien-Camp. Vishnu Devananda war ein Pionier in jeder Hinsicht. Ihm standen keine besonderen finanziellen Mittel zur Realisierung seiner Pläne zur Verfügung. Um das Yoga-Camp zu errichten, musste er zusammen mit Schülern sogar erst Bäume fällen und das Land roden. In dieser Zeit entstand auch das “komplette illustrierte Yogabuch” als das erste für westliche Leser geschriebene Yogabuch mit einer systematischen Darstellung von Yogaübungen in zahlreichen Abbildungen – noch vor dem berühmten Buch “Licht auf Yoga” von B.K.S. Iyengar, das im Jahr 1966 publiziert wurde.

Da er in dieser Anfangszeit des öfteren seine Schüler in New York besuchte, hatte er zum erstenmal den Gedanken, selbst das Fliegen zu erlernen, um Reisekosten zu sparen. Weitere Zentren entstanden in den Folgejahren auf den Bahamas, in Kalifornien, in Woodbourne bei New York und schließlich in seiner indischen Heimat Kerala.

Die Motivation für seine ganze unermüdliche Tätigkeit und den Pioniergeist lag in seinem Wunsch, ein Kämpfer für den Frieden zu sein im Gegensatz zu dem Kämpfer für den Krieg, den er während seiner Militärzeit erlernt hatte. Im Jahr 1967 hatte er eine Vision von einem Feuer, das sich über die ganze Erde ausbreitete. Dies interpretierte er als einen drohenden Atomkrieg und von da an tat er alles, um Friedensimpulse zu setzen. Für den modernen materialistisch konditionierten Geist ist es meiner Ansicht nach beeindruckend zu erfahren, dass Vishnu Devananda im Jahr 1969 die vierwöchigen Yogalehrer-Ausbildungen aus dem Bedürfnis heraus geschaffen hat, dass möglichst viele Menschen den Yoga und dadurch eine positive Einstimmung im Leben und ein friedvolles Denken kennen lernen sollten. Im Zeitalter von Fitness und Wellness sowie von größtmöglichem persönlichen Profit durch den Yoga ist dies eine sehr bemerkenswerte Absicht.

Der fliegende Swami auf Friedensmission

Vishnu Devananda war aber mit der Lehrtätigkeit noch nicht zufrieden, sondern wollte noch mehr Menschen mit seiner Friedensbotschaft erreichen. Im Jahr 1970 organisierte er das erste Friedens- und Musik-Festival, dem später noch weitere Festivals an verschiedenen Orten folgten. Er organisierte Friedensdemonstrationen an den verschiedenen Krisenherden der Welt mit Aktionen wie “Kopfstand für den Frieden.”

Im folgenden ein Auszug aus dem Beitrag “Vishnu Devananda” des Yogavidya-Wiki:

Sein häufigster Weg, die Aufmerksamkeit der Menschen zu erwecken, waren jedoch Friedensmissionen in seinem „Friedensflugzeug“ – erst eine Doppeldecker Piper Apache und später eine Ultraleichtmaschine. Er flog über viele Unruheherde der Welt, oft unter großem Risiko für sich selbst und „bombardierte“ diese Orte mit Flugblättern und Blumen. Durch diese Flüge wurde er als „Fliegender Swami“ bekannt.

Er wollte mit seinen Fliegereien die Begrenzungen von Pässen und Visa durchbrechen und zeigen, dass eine Zeit gekommen war, in der Nationalismus und Patriotismus verschwanden und nur noch Einheit existierte: „Unser Planet ist klein. Entweder wir leben zusammen, oder wir sterben zusammen.“

Sein erstes Flugzeug, die Piper Apache, wurde 1970 von dem Künstler Peter Max liebevoll und bunt designt und bemalt. Er selbst kreierte eigens einen „Planet Earth Passport“. Überall, wo er hinkam, wurde der Pass abgestempelt. Er wurde damit überall hineingelassen.

Seine Ziele waren in der damaligen Zeit so gefährliche Orte wie Belfast im Jahr 1971, später Tel Aviv, Kairo, Jerusalem, Lahore und Bangladesh, nicht zu vergessen Ostberlin im Jahr 1983. Dort war sein Ultraleichtflugzeug das erste private Flugzeug, das seit der Errichtung der Mauer im Jahr 1961 diese überflogen hatte. Trotz des Verstoßes gegen das Flugverbot geschah ihm nichts. Sein Flugzeug wurde allerdings einbehalten und er mit dem Zug zurück nach Westberlin geschickt.

Vishnu Devananda_sivanandayogaranch.org

Das Friedensflugzeug, bemalt vom Künstler Max Weber

Ein authentischer Kämpfer und Vorbild im Yoga

Im Folgejahr 1984 kreierte er eine “All India Tour” und 1987 anlässlich des 100. Geburtstags von Swami Sivananda eine Friedens-Mala, bei der über eine Entfernung von 30 Meilen Menschen aus allen Kasten und Nationen sich von Rishikesh bis Haridwar die Hände reichten und OM Namo Narayanaya sangen.

Seine Aktionen waren aber kein bloßer äußerer Aktivismus oder gar Sensationsshow. Denn Vishnu Devananda lebte selbst als Person authentisch eine tiefe Spiritualität und bemühte sich zeitlebens um spirituellen Fortschritt. Besonders in den späteren Jahren hatte er oft das Bedürfnis nach intensiver Meditation sowie Perioden des Fastens und des Schweigens. Des öfteren suchte er dazu eine Höhle im Himalaya auf, an dem für Inder heiligen Ort, wo der Fluss Ganges seinen Ursprung nimmt.

Nicht einmal durch einen Schlaganfall im Jahr 1991 ließ er sich von diesen Phasen abhalten. Unter tatkräftiger Hilfe der ihn pflegenden Schüler unternahm er als halbseitig Gelähmter sogar eine Pilgerreise am Fluss Ganges von der Quelle im Himalaya bis zur Mündung in Kalkutta. Als sich sein Zustand sichtlich verschlechterte, flog er im Oktober 1993 nach Indien. Nicht aber, dass er sich nun passiv zum Sterben hingelegt hätte, sondern er begann eine Pilgerreise zu Orten, die ihm heilig waren. Am 9. November schließlich erlag er der Krankheit, ohne sich jemals in den zwei Jahren des Krankseins über seinen Zustand beschwert zu haben.

Vishnu Devananda_sabuyoga.com

Vishnu Devananda fehlte es weder an Humor, noch an Strenge zur rechten Zeit.

 

Textquellen: en.wikipedia.org, sivananda.org, wiki-yoga.vidya.de

Bildquellen (17-12-20): yoga-vidya.de, sivanandayogavietnam.org, sivanandayogaranch.org, sabuyoga.com

 

 

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