Yoga im täglichen Leben – Paramhans Swami Maheshwarananda

Yoga im täglichen Leben-Paramhans Swami MaheshwaranandaRezension der Einführung in den Yoga anhand des “Systems” von dem indischen Yogameister Maheshwarananda (geb. 1945).

Ein Inder im Westen

Der Autor dieses Buches, Paramhans Swami Maheshwarananda, ist vor allem in Österreich und dort angrenzenden Ländern wie Slowenien, Kroatien, Ungarn und die Slowakei bekannt, da der Hauptsitz der von ihm gegründeten Vereinigung in Wien liegt. Er lehrt aber auch in Amerika und Australien. So gibt es einen eigenen TV-Kanal, der im Internet verfolgt werden kann. 1945 im indischen Rajasthan geboren, interessierte sich der als Mangilal Garg geborene spätere Maheshwarananda von Kind an für Yoga und den Mönchsstand, in den er im Alter von 22 Jahren nach intensiver Vorbereitung aufgenommen wurde. Mit 27 Jahren kam er bereits nach Europa und gründete in Wien die österreich-indische Yoga-Vedanta Fellowship.

Bei dem Buch handelt es sich, wie der Name sagt, um einen systematisch aufgebauten Yogapfad mit Schwerpunkt auf den Yoga-Körperübungen. Es enthält 8 Übungsprogramme, die mindestens für zwei Wochen oder eben für so lange, bis man die darin enthaltenen Übungen sicher ausführen kann, praktiziert werden sollen. Ergänzt werden die Körperübungen mit Atemübungen und – ab der Stufe 5 – mit Übungen zur Konzentration. Meditation, so meint Maheshwarananda, kann man nicht üben, denn

sie entsteht von selbst, so wie uns der Schlaf plötzlich überkommt, ohne dass wir in der Lage sind, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen. Konzentration ist eine Vorübung zur Meditation mit dem Ziel, Körper, Geist und Sinne zu beobachten und zu beruhigen. Ist unsere Konzentrationsfähigkeit nicht stark genug, so werden wir entweder unruhig oder wir schlafen ein. Beides verhindert, dass wir in die Meditation hineinkommen. (S. 202)

Yoga-āsana in acht Stufen

Die farbig präsentierten Übungen und die dazugehörigen Beschreibungen bilden dann auch den Hauptteil des 448 Seiten umfassenden Buches. Die Abbildungen zeigen meiner Ansicht nach durchwegs korrekt ausgeführte Positionen. Die achte Stufe beinhaltet interessanterweise in erster Linie Variationen von Yoga-āsana, die im Lotus, oder zumindest im halben Lotus ausgeführt werden. Der Lotussitz mit verschränkten Beinen ist für Europäer oft eine große Herausforderung, da die Hüftgelenke besonders schwer zu mobilisieren sind. Maheshwarananda erklärt, warum der Lotusposition eine solch herausragende Stellung unter den Yoga-āsana zukommt:

Padmāsana ist die einzige Sitzhaltung, bei der die Wirbelsäule völlig aufgerichtet ist, wodurch sich die Lungen frei entfalten können. Vor allem aber öffnen sich die Chakras entlange der Wirbelsäule und aktivieren die entsprechenden Nervenzentren. Die Eigenschaften jedes Chakras werden erweckt und eröffnen dem Yoga-Aspiranten vielfältige Bewusstseinsebenen. Deshalb sitzen Yogis in tiefer Meditation immer in Padmāsana . (S. 280)

Während mit der Konzentration erst in der fünften Stufe begonnen wird, so ist die sogenannte Self-Inquiry-Meditation von Anfang an Teil des Übungsprogramms und wird ebenfalls Stufe für Stufe weiter entwickelt. Es handelt sich dabei um die Auseinandersetzung mit der im Yoga so bedeutenden Frage “Wer bin ich?” Swami Maheshwarananda erläutert:

In der Self-Inquiry-Meditation führen wir zuerst Übungen zur Erlangung vollkommener körperlicher Entspannung und geistiger Ruhe durch. Als nächstes trainieren und erweitern wir unsere Konzentrationsfähigkeit, Vorstellungskraft und Imagination. Dann wenden wir uns den Inhalten unseres eigenen Bewusstseins zu, unseren Eigenschaften, Vorstellungen und Denkweisen. Dabei ist es wichtig, sich von vorgefassten Meinungen und Urteilen zu lösen und einen neutralen, unvoreingenommenen Standpunkt einzunehmen. Nur so können wir neue Perspektiven und Erkenntnisse gewinnen. (S. 326)

Die Anleitungen zur Self-Inquiry-Meditation bewegen sich im Stile von geführten Meditationen. Ein Beispiel:

Tauben im Flug-Bild von AdinaVoicu auf pixabayStelle dir eine Taube vor, die in einem Käfig gefangen ist. Voller Liebe öffnest du die Tür ihres Käfigs und gibst ihr die Freiheit. Sieh, wie sie glücklich in die Weite des Himmels fliegt. Genauso befreie nun auch dein inneres Selbst. Lass es fliegen, hochsteigen in das Licht und sich mit ihm vereinen. Unendlichkeit und höchste Wahrheit – das ist die wahre Freiheit. (S. 348)

Der interessierte Leser wird in den Ausführungen viele positive Gedankenanstöße, auch zur persönlichen Selbsterforschung finden. Hier könnte allerdings etwas unbefriedigt bleiben, wer nach konkreteren Zusammenhängen sucht und zum Beispiel die Natur des Höheren Selbst in konkreter Hinsicht erkennen möchte. In diesem Fall wird die Lektüre des vorliegenden Buches nicht ausreichend sein. Als erste Hinführung an eine ganzheitliche Denkweise ist es aber sicher für viele Menschen aus dem westlichen Kontext sehr nützlich.

Grundlagen der Yoga-Philosophie

Die abschließenden Kapitel widmen sich den yogischen Reinigungspraktiken von Nase, Magen und Darm und den Augen, dem gesundheitlichen Wert der Yoga-Übungen in verschiedenen Lebenssituationen sowie dem geistigen Hintergrund des Systems mit dem Namen Yoga im täglichen Leben. Hier werden Grundbegriffe aus dem Yoga erklärt wie die verschiedenen Yoga-Arten, die acht Stufen nach Patanjali, die 10 Prana-Arten, die Bedeutung der Mantra-Rezitation, die Chakras und die Guru-Linie von Maheshwarananda. Aspekte zur Ernährung und zum Fasten fehlen nicht, ebensowenig wie ein kurzer Index mit den verschiedenen Übungen und ihren Auswirkungen auf verschiedene Körperzonen.

Alles in allem bietet das Buch eine gute Einführung in die wesentlichen Grundgedanken und Übungen des Yoga, wenn man sich zu dem systematischen Aufbau hingezogen fühlt. Je nach Typus kann es nämlich auch sein, dass man sich durch zu strenge System-Vorgaben eingeschränkt fühlt. In diesem Fall müsste man sich von der Forderung nach dem Stufensystem und dem täglichen Üben lösen und das Buch rein zu Informationszwecken lesen.

Im wesentlichen wird es aber wohl denjenigen Menschen zugute kommen, die bereits Yoga nach dem von Maheshwarananda vorgeschlagenen System praktizieren. Denn es gilt auch für dieses wie für alle Yogabücher, dass man Yoga am besten durch die Vermittlung eines kompetenten Lehrers kennen lernt, um Fehler in der Praxis zu vermeiden.

Spiritueller Wert 3/5
Praktischer Wert 4/5

 

Paramhans Swami Maheshwarananda, Yoga im täglichen Leben, Das System. Harmonie für Körper, Geist und Seele, Ibera-Verlag Wien 2000, 448 Seiten, Hardcover, ISBN 3850520099.

Das Buch ist online erhältlich bei Amazon.at, derbuchhaendler.at, Thalia.at.

Bildquellennachweis (19-03-12): Beitragsbild-Amazon, Tauben im Flug-Bild von AdinaVoicu auf pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • dhyana.at ist eine unabhängige Seite mit Infos und Tipps zu den Themen Meditation, Spiritualität und Yoga